Oh du Ohrenschmalzliche …

Kurz nach Ostern stehen schon die ersten Marzipanriegel im Regal und bereits Anfang November beherrschen Nikoläuse und Sterne die Eingangsbereiche der Kaufhäuser. Irgendwie gewöhnt man sich daran.

Aber woran ich mich nie gewöhnen werde ist diese  unersägliche Weihnachtsmelodienzwangsbeschallung allerorten pünktlich ab 1.12.
Jedesmal denke ich mir, es geht gleich ein Nierenstein ab oder ich zerbeisse gleich meine eigenen Zähne wenn ich vom den Schallterroristen umzingelt werde. Es gibt kein Entkommen!
…klingelingelingeling…oh du Fröhliche…Rudolph..” ..etc.
Aber der ultimative Magengeschwürauslöser ist das ewig unersägliche “Last Christmas” von Wham.
Jedesmal dringt dabei ein animalisches Knurren aus meinem Inneren, die Augen röten sich, Speichel fließt aus meinem Mundwinkel und die anderen Kunden lassen mindestens 2 Meter Platz um mich herum.

Man sollte zu dieser Zeit an jeder Parkgarage in der Stadt an die Einjangsschranke einen Ohrenstöpselaustomaten stellen mit der Warnung “Achtung- Das Betreten dieser Innenstadt kann ihr Gehör und Gemüt gefährden” und zusätzlich noch “Gefahr für Diabetiker aufgrund zuckersüßer Schmalzmelodien

Auch Nasenstöpsel könten nicht verkehrt sein. Die Industrie meint, das alles was mit Zimt versetzt ist die Assoziation “Weihnachten” auslöst und dann gibt es so unerträgliche Sachen wie “Weihnachtsjoguhrt”, “Weihnachtsbrot”, “Weihnachtskäse”, “Weihnachtstee” usw.
Ich krieg ja schon Bläschen auf der Zunge, wenn ich “Zimt” nur lese … siesshte shonn geschen ..

Der jährliche Megaknaller ist aber der Adventkalender
Mehr als ein Augenbrauenkräuseln kann mir so ein 24-Türer mit Schweinestachelfrisurbeladenerer Tokio-Hotel Fresse eigentligepakalenderch nicht entlocken. Da hat die Industrie schon vor langem den Weg jeglichen Geschmacks verlassen.

Nein, die ultimative Augenkrebsversion kommt jeden Jahr zu uns nach Hause.
Da meine Holde ehrenamtlich im Eine-Welt-Laden arbeitet ist es selbstverständlich, das sie auch immer einen Adventkalender der Gepa mitbringt.

Nichts gegen das Engagement der Gepa – aber deren Kalender sind an Hässlichkeit nicht zu übertreffen.
Traditionell lässt sich die Gepa ihre Adventkalendervorlagen von Kindern malen.
Ich war nunmal als Kind bestimmt kein Picasso und auch sonst werden “Malwerke” aus Kinderhand in der Regel auch nicht an den Kühlschrank gepinnt um die infantilen Kreationen stolz zu bewundern oder dem Kind selbstsicherheit bezüglich seiner Fähigkeiten zu geben sondern schlichtweg um sich davon fernzuhalten.
Sozusagen “Weight Watchers” auf Elternart.

Auch der diesjährige Adventkalender lässt wieder viel Spielraum zum Rätseln und interpretieren.
Die erste Frage ist:  “Welche Droge brauche ich damit das Bild aufhört sich standig um mich zu drehen?”
Interessant auch die andere Frage: “Welche Drogen nahmen die Personen im oberen Drittel der Darstellung, die frei im Himmel schweben?”
“Warum sind die Fürze der blauen Schafe gelb?”
“Tanzen die drei Personen unten rechts Breakdance oder haben sie Hämoriden und warum brennen ihre Haare?”
“Warum liegt da eine braune Banane auf einem Holzgestell?”
“Warum tatscht der Typ mit dem braunen Kutte der verschleierten Frau an den Hintern?”

Es würde mich auch nicht wundern, wenn auf der Rückseite steht “Gemalt von Erwin, 38 Jahre alt und Elektroinschnör
Und so was muss ich mir jetzt noch die nächsten 21 Tage jeden Morgen ansehen…

Interessant auch der Inhalt.
Bis jetzt die Schoko-Klassiker “Glocke”,”Schaf” & “Schlitten”.
Kann man so was nicht auch neu machen?
Anstelle dessen z.B. “Hupe”, “Politesse”, “Winterreifen” und aus dem 24. Türchen purzelt zeitgemäß eine leere Brieftasche?

Ächtz … und der ganze Terror hat noch nicht mal richtig angefangen …

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