Es war erst eine Woche her, als mich meine Holde bat, aus dem Arbeitszimmer im 3. Stockwerk ein paar Zettel mit Bestellnummern zu holen, damit ich diese Artikel via Internet ordern kann.
Auf ihre Frage, warum ich besagte Gegenstände erst heute Morgen bestellte kann ich nur die folgende Geschichte aus meinem Tagebuch erzählen:
Mittwoch
Gerade am Treppenmassiv angekommen. Basislager aufgeschlagen und zwei Sherpas für die folgende Expedition eingestellt.
Versorgungslage ist aufgrund der politischen Situation im Treppenhaus sehr angespannt.
Donnerstag
Auf dem Schwarzmarkt Vorräte aufgefüllt und Sauerstoff-Flaschen besorgt.
Die Sherpas sind besorgt wegen des aufsteigenden Nebels vor den Fenstern.
Trotzdem. Wenn wir heute nicht aufbrechen ist der Zeitplan in Gefahr!
Später Nachmittag. Aufbruch. Wir kämpfen mit dem Gegenwind. Nach den ersten zwei Stufen schwinden bereits die Kräfte. Wir beschließen, uns bis zur fünften Stufe emporzuarbeiten und vor der Nacht dort das erste Basislager aufgzubauen.
Freitag
Ich fühle mich etwas ausgelaugt aber schlappmachen gilt nicht. Das für den heutigen Tag geplante Ziel ist der erste Treppenabsatz. Der Butanbrenner zündet nicht. Trockenfrühstück. Ich trinke etwas Schwitzwasser vom Treppengeländer.
Nach etwa vier weitere Stufen machen mir meine Füße Probleme. Ich spüre meine Zehen kaum mehr. Die Mütze nimmt mir die Sicht aber der Wind würde mir sonst die Augen zufrieren. Ich gehe nur noch mechanisch geradeaus . Der Weg ist das Ziel.
Am Abend erreichen wir wie geplant den erste Treppenabsatz. Todmüde bauen wir das Biwak auf und die Höhenluft macht bereits den Einsatz von Sauerstoff notwenig. Die Funkverbindung zum Basislager ist abgenbrochen. Vemutlich haben die Batterien den unerwarteten Wetterbedingungen nicht standgehalten.
Samstag
Vom Tageslicht ist nur ein grauer Schleier hinter dichten Wolken zu vernehmen. Die Motivation aufrechtzuerhalten ist nur sehr schwer. Heute steht uns das schwierigste Stück des Wegen hervor. Eine scharfe Linksdrehung im sogenannten Treppenhaus wird den Einsatz von Seilschaften notwendig machen.
Einer der Sherpas ist vorrausgeklettert um die ersten Haken für das Sicherungsseil in das Geländer zu schlagen.
Vorher erwartet uns eine weite steile Ebene, die aber auch ihre gefährlichen Tücken hat.
Auf dem halben Weg begegenet uns ein ausgehungerter weisser Stubentiger. An Waffen hat natürlich niemand gedacht.
Wir werfen etwas Nahrung sichtbar seitlich von uns ab und können das Raubtier somit ablenken, während wir mit allen Kräften den Weg bis zum weiteren Aufstieg hinter uns bringen.
Am späten Nachmittag erreichen wir das nächste Biwak mit der vorbereiteten Seilschaft.
Da das Wetter etwas aufgeklart hat wollen wir nach kurzer Stärkung zumindest einen weiteren Teil weiterklettern.
Sonntag
Wir können den Gipfel im 3. Stockwerk bereits sehen. Aber dazwischen liegen noch 4 anstrengende Treppenstufen. Jeder Schritt kostet Kraft die ich nicht mahr habe. Jede Stufe ist wie einn kleiner Sieg.
Die Pausen werden länger und der Sauerstoffmangel lässt mich haluzinieren. Ich fühle meine Hände ebenso kaum mehr wie die Beine. Ich hoffe, keine bleibenden Schäden davonzutragen. Dei Sonne blendet mich aber es ist unglaublich Kalt.
Um 16:23 ist es soweit!
Nur noch von Motivation getragen erreichten wir das dritte Stockwerk. Ein großer Sieg des Menschen über die Gewalten der Natur. Wir sind ergriffen und die Freudentränen gefrieren in den Augen.
Am Gipfelkreuz huldige ich den vielen Seelen, die dieses Ziel nie erreichten und entnehme den Bestellzettel meiner Frau. Wir müssen uns beeilen und den Abstieg beginnen.
Montag
Wir hängen den halben Tag in einer Treppenspalte fest. Der Wind weht zu stark um weiterzukommen. Jeglicher Versuch in das Biwak am Treppenabsatz zu kommen wäre jetzt Selbstmord. Nicht einschlafen!
Ich singe lauthals gegen das Tosen um mich herum an um mich wachzuhalten. Einer der Sherpas stürzt bei dem Versuch, sich dabei die Ohren zu zuhalten ab. Ich werde seiner Familie etwas spenden.
Ein kurzes Wetteraufklaren lässt uns vorran kommen. Wir erreichen das Lager und brechen erschöpft zusammen.
Dienstag
Wir konnten uns durch Lichtsignale mit dem Hauptlager am Fuß der Treppe verständigen und werden den Tag nutzen um uns zu erholen.
Mittwoch
Vor einer Woche sind wir aufgebrochen und auch der heutige Tag hat wieder ein Opfer gefordert.
Der zweite Sherpa ist auf einem Treppenläufer gestürzt und hat sich dabei ein Bein gebrochen.
Aufgrund des schwierigen Geländers konnte ich ihn nicht bergen und mitnehmen. Um mein eigenes Leben zu retten musste ich ihn zurücklassen. Armer Kerl!
Geschafft! Gegen Mittag komme ich wieder am Hauptlager an der Basis der Treppe an.
Ein Blick zurück offenbart das majästetische Massiv, welches ich erklommen habe und ein Gefühl des Stolzes überwältigt mich.
In diesem Augenblick kommt meine Frau um die Ecke und fragt mich, warum ich so lange gebraucht habe – siehe oben, will mir kein Wort von meiner heroischen Geschichte glauben und beharrt auf “faulen Ausreden”.
Jaja – Frauen halt …
Aber ich weis es besser! ![]()
*fg*