Heute vor exakt 20 Jahren – am 9. November 1989 um 1857 – verlas Günter Schabowski, das die Ausreise aus der DDR ab sofort ohne Formalitäten möglich ist.
Geplant war eigentlich eine kontrollierte “Ausweisung”, was aber gänzlich fehlschlug und zu einem regelrechten Massenausbruch und der faktischen “Maueröffnung” führte.
In den Wochen davor brodelte es im Land, Massenflucht über Tschecheslowakei, Honnecker trat zurück, das Politbüro wurde neu gebildet aber es war abzusehen, das der Staat bald nur noch Geschichte sein würde.
Aber das wird ja alles schon seit Tagen und Wochen auf allen möglichen Fernsehkanälen immer und immer wieder auf Neue mit immer den selben Bildern wiederholt.
Zu der Zeit befand ich mich selbst gerade im Umbruch, persönlich und räumlich. Ich hatte gerade eine sehr traumatische Erfahrung hinter mich gebracht, war eine Weile obdachlos und hatte und mich aus diesen Gründen in meine erste feste Arbeitsstelle regelrecht vergraben.
Mangels Fernseher, Radio und anderen Nachrichtensystemen (Internet gab es da noch nicht) bekam ich auch nicht sehr viel mit. Irgendeiner erzählte halt mal, “das die Mauer bald fallen würde” aber das hielt ich für einen der üblichen kruden Scherze.
Ich hatte nur die Besetzung der Derutschen Botschaft mitbekommen, und mr gedacht das auch diese kleine Revolution wider wie üblich unter massiver Gewalt nidergeschlagen wird. Schließlich lauerte hinter der kleinen DDR der wahre große Feind in Rot.
Als es am Abend des 9. November dann soweit war, realisierte ich das überhaupt nicht. Ich wunderte mich aif dem Weg nach Haus nur, warum so spät in der Nacht so viele Menschen draussen feiern und der McDonalds zu dem ich ging dermaßen überbevölkert war und alle Menschen um mich herum sich freuten. Sehr befremdlich. Vielleicht hatte ja eine Fußballmannschaft gewonnen?
Letztendlich habe ich das ganze Thema nie verinnerlicht. ich war so dermaßen autistisch in mich selbst gekehrt, das ich das alles gar nicht aufnehmen konnte. Das war eine Zeit, in der ich vom Kopf her radikal abgebaut habe und nichts mehr an mich ranlies.
Ich habe die ganze Entwicklung nur ganz entfernt am Rande mitbekommen und als ein Jahr später am 3. Oktober die offzielle Wiedervereinigung gefeiert wurde, wusste ich nur, das ich persönlich kaum davon profitieren würde.
Mein schmales Gehalt wurde gleich noch mal um einen “Solidaritätszuschlag” gekürzt und ich ahnte wohl auch schon, das meine monatliche Rentenzahlung quasi direkt in die Kanalisation gepumpt wurde.
Es war mir nach der normalen Informationslage schon klar, das hier ein ganzes Land ohne finanzielle Reserven neu aufgebaut werden muss und das die Sprüche wie “Die Renten sind sicher” oder “Niemanden wird es schlechter gehen” bloßer Hohn wieder besseren Wissens waren. Aber so nüchtern haben das in der Zeit wohl nur die wenigsten betrachten wollen.
Ich war nicht sehr erfreut über die Wiedervereinigung. Aber nicht, weil ich was gegen Leute oder Land hatte, ganz im Gegenteil, sondern weil das Ganze völlig überhastet und jegliche Planung von statten lief. Alle waren irgendwie überdreht und gingen völlig naiv und kopflos an die Sache ran
Millionen und Milliarden wurde regelrecht nutzlos verschleudert, Steuergelder und Rentenreserven in bodenlose Löcher gestopft sowie skrupellose Profiteure reichlich ernährt.
Nungut, in den letzten 20 Jahren haben sich die gebrauchten und neuen Bundesländer zusammengerauft, die Mauer ist noch nicht aus allen Köpfen verschwunden aber die Armut hat sich wenigstens so egalisiert, so das aus blühenden Städten ebenso graue Tristesse erwuchs, so das man gar nicht mehr feststellen kann, ob man nun “im Westen” oder “im Osten” ist.
Traurig ist nur, das viel vergessen haben, daß die DDR ein totalitärer Unrechtstaat war und Freiheit noch nicht mal in den Köpfen stattfand. Heute wird fast nur noch verklärt erzählt, wie niedlich alles war, welche Solidarität unter den Bürgern damals herrschte (haha jeder hatte Angst vorm Spitzel nebenan) oder wie einfach das Leben halt war (klar wenn es von anderen Köpfen diktiert wird).
Von staatlich erwirktem Mord, übelster Unterdrückung und Mangelwirtschaft zum Vorteil einiger weniger Parteibonzen und dem großen Bruder UDSSR spricht heute niemand mehr. Das hat man in den letzten 20 Jahren grandios vergessen.
Heute sind die Reste der physikalischen Mauer wie zum Hohn ein kapitalistisches Handelsgut geworden aber die Mauer iin vielen Köpfen wird auch in den nächsten Jahrzehnten noch präsent sein.
Auf die nächsten 20!
Danke für den kleinen Kontrastbeitrag.