Monatsarchiv: April 2009

Währungsreform Reloaded

punkerIch marschiere durch die City und treffe auf eine Gruppe Punks mit Hunden.

Nein – ich hab nichts gegen die Jungs und Mädels mit dem innovativen Erscheinungsbild.
Solange sie nicht besoffen rumpöbeln sind die schon ok.

Obligatorisch kommt einer auf mich zu

“Haste mal ´n Euro?”

Ok, heute morgen habe ich ´nen Clown gegessen und muss einfach mal klugscheissern:

“Pass mal auf: Seit Anfang der 70er Jahre macht mich jeder ordentliche Punk an ob ich mal ´ne Mark habe und seit jeher kam er auch mit dem Geld aus. Nun haben wir den Euro und aufeinmal willst Du 49% mehr an Geld haben, als das, was vorher gereicht hat? Komm – ich geb dir die 51 Cent Umrechnungskurs zuzuglich 6% Teuerungsrate, das macht dann 54 Cent und weil ich ´nen guten Tag habe runde ich auf 55 Cent auf. Ok?”

Sprachs, zähle 55 Cent aus der Hosentasche und gebe sie dem etwas verwitrrt blickenden Punk in die Hand, lächle ihm freundlich zu und gehe weiter meiner Wege.

Ein gutes Gefühl, mal wieder etwas für die Bildung geleistet zu haben :mrgreen:

Ursprung der Schweinegrippe entdeckt!

schweinegrippe-500x3751

Quelle: Irgendwo im Internet

Meine 5 Minuten Ruhm

653px-basketball_ballEs so um 1980 und ich sitze als kleiner dicker pickeliger zwölfjähriger Aussenseiter im Sportunterricht auf der Bank.

In der Regel war die Bank mein zweites Zuhause im Sportunterricht.
Selbst der parteiische Sportlehrer sah mich am liebsten dort sitzen und gab mir meist aus Mitleid nur eine Vier statt der sonst üblichen Fünf.

Ich war eine Niete und hatte die sportliche Eleganz einer schmelzenden Eiswaffel.
Im Weitsprung zum Beispiel war ich froh, wenn ich die weisse Absprungmarke überhaupt mal unfallfrei überquerte: Anlauf, rennen, kurz vor dem Sandkasten überlegte ich dann “Mit dem rechten oder linken Fuß abspringen .. wie muss ich jetzt anlaufen .. Scheiße .. ” und während ich das überlegte, machten sich dann meine Beine selbstständig, bildeten diverse Seemannsknoten und – schwuppps – lag ich auf der Fresse und fraß Sand.

Oder Seilklettern. Was für eine doofe Aufgabe für kleine dicke Aussenseiter.
Wer glaubt, die Glocken im Kirchturm wären von alleine nach oben geklettert, denkt wohl auch, daß ich da hoch komme.
Mein erster Versuch endet damit, das meine Zehenspitzen auf dem ersten Knoten 10 cm über der Erdoberfläche stehen wärend meine Arme ihren Weg nach oben finden und ich mich ftrage, wie weit sich die Knochen noch dehnen können, während die Plautze ungerührt an ihrem Platz verbleibt und sich nur etwas in Tropfenform nach oben strebt.
Nein, die Hallendecke wird niemals von mir erobert werden und so muss ich wie gewohnt demütig den gemeinschaftlichen Spott meiner Klassenkameraden und des Sportlehrers ertragen, der die beiden Sportprimusse der Klasse – auch wie üblich – mit einer Cola belohnt.

Looser müssen eben durstig bleiben.

Am demütigsten sind Mannschaftsspiele.
Der Sportlehrer wählt zwei Spielführer aus. Das sind wie immer die selben beiden Sportprimusse Karsten und Jan
Der Rest der Klasse sitzt auf der Bank an der Hallenwand und wird jeweils im Wechsel der Spielführer ausgewählt:
“Tim” – “Jochen” – “Michael” – “Gerd”  usw. leeren sich die Platze links und rechts von mir.
Wie üblich bleibe ich als Restposten auf der Bank sitzen und der gequälte Blick des ansagenden Spielführers trifft mich “Naja .. dann Andre ..”.
Es bleibt ja sonst auch keiner mehr übrig.
Dumm gelaufen. Das Spiel war meist schon dann entschieden, wenn ich ausgewählt wurde.
Um meine Negativleistungen zu toppen müsste die generische Mannschaft schon aus blinden gereatrischen Rollstuhlfahrern mit Platten bestehen und daher war es nicht gerade verwunderlich, daß ich wie Sauer Brot gehandelt wurde.

Manchmal – oder sogar meistens bzw. fast immer  – hatte ich aber Glück, es war jemand krank und die Anzahl der Mitschüler war ungerade, so daß ein Mitspieler zuviel da war und auf der Ersatzbank auf seinen Einsatz warten musste.
Und nun ratet mal, wer das immer war…
Machmal glaubte ich, das am Tage des Sportunterrichtes einer der Schüler vom Sportlehrer gezwungen wurde, sich Krank zu melden, damit ich auf der Ersatzbank bleiben musste und nicht schon wieder das Spiel versaue.
Egal, wäre mir auch recht gewesen.

Manchmal aber geschehen seltsame Dinge.

Es war im Mai des besagten Jahres 1980 und wie gewohnt  sitze ich bei der Mannschaftsauswahl auf meinem Stammplatz der Ersatzbank, will es mir gerade mit einem Buch gemütlich machen als ich aus der Ferne höre “Auweieieiea  .. naja .. ANDREEE .. ”
Ich erwachte, blickte um mich und schaute in das Gesicht von Karsten, der als letzter mit der Spielerauswahl dran ist.
Panisch blicke ich mich um:  Keiner mehr da, keine ungeraden Mitschüler. Heute muss ich wieder ran und alles versauen.

Ich versuche zu verstehen, welches Spiel heute gespielt wird und bekomme es am Rand mit:
Basketball.
Klar! Ein Spiel in dem es darum geht, mit Geschwindigkeit und zielsicherer Eleganz den Ball durch die Halle zu dribbeln, den Gegnern auszuweichen und das Leder von oben durch in einen winzigen Ring an der Wand in mehreren Metern Höhe zu werfen.
Genau das richtige für kleine dicke Aussenseiter mit Plattfüßen und Gummi in den Knien. Haha.

Das Spiel wird angepfiffen. Wie üblich halte ich mich so weit aussen wie möglich auf um weder negativ aufzufallen noch sonst irgendwie den flüssigen Spielablauf durch mein Eingreifen zu behindern.
Bunte Flecke huschen durch die Halle, mal ist der Ball hier, mal dort. Mein Blick vermag dem Spielablauf kaum zu folgen. Es wird gedribbelt, gerannt, abgegeben, geworfen und es bleibt nach 5 Minuten weiterhin 0:0.

Da es mir an der einen Aussenwand zu langweilig wird, begebe ich mich schnellen Schrittes – soweit es mir möglich ist – auf die andere Seite der Halle, da man sich von dort aus mehr oder weniger unauffällig in den Gerätetrakt verpissen kann, wo man sich dann auf den Matten ausruhen kann. Es wird mich schon keiner vermissen und den Notenschnitt wird es auch nicht zerreißen.

Doch was ist daß?
Einer von der “Blauen Mannschaft”, deren Armbinde ich ebenfalls trage, rennt von zwei “roten” Mitspielern verfolgt auf mich zu.
Etwas verwirrt sehe ich, wie sich der Ball aus der dribbelnden Hand meines Mitspielers löst und sich auf mich zubewegt.
Ehe ich es mir anders überlegen kann, halte ich den Ball schon in den Händen. So rund,  so rauh und fest und dennoch fast zärtlich schmiegt er sich in meine Hände. Ein seltsames Gefühl nach so langer Zeit der Abstinenz.

Aber was mache ich nun? Laufen? Dribbeln? Nach vorne stürmen?
Ich befinde mich fast in der Hallenmitte – was soll ich also groß anrichten können?
Ich suche nach einem Mitspieler, an den ich abgeben kann. Bloß weg damit, bevor ich noch was kaputtmache. Aber da ist niemand. Anstelle dessen laufen die “Roten” auf mich zu.

Ich sehe mich schon in den Mühlen der Mitspieler zu Hackfleisch verabeitet  auf dem Boden liegen.
Was muss ich Idiot auch den Ball auffangen?!?
Hätte ich ihn nicht einfach von der dicken Plautze abprallen lassen können um mich ungestört weiter auf die andere Seite zu bewegen? Man wäre doch nichts anderes von mir gewohnt gewesen.

Aber so stehe ich nun da: In der Mitte der Halle, in den Händen der Ball, vor mir die generische Mannschaft die wie Werwölfe mit gefletschen Zähnen auf mich zustürmen um mir den Ball und das Leben zu nehmen.

Die Verzweiflung setzt ungeahntes Adrenalin in mir frei und so denke ich mir:
“Ach .. ich hab eh nichts mehr zu verlieren”.

Mein Körper dreht sich in Richtung des gut 10 Meter entferntes Korbes zu.
Meine Augen verengen sich zu Schlitzen und alle Bewegungen um mich herum verlangsamen sich zu einer endlos gedehnten Zeitlupe.
Plötzlich scheint die Sonne von beiden Seiten durch die hochgelegenen Hallenfenster und auf einmal steht der in 3 Metern Höhe hängende Korb in Licht gehüllt wie ein Altar.
Ein Zeichen!
Golden leuchtend stahlt mir das Ziel entgegen und eine zarte Stimme in meinem Kopf ruft “Wirf!”
Hand – Augen – Muskeln – Winkel. Alles bildet eine perfekte Linie.
Ohne das ich mir dessen bewusst bin, verlässt mich der Ball in einer pefekten parabolischen Bahn.

Immer noch in Zeitlupe wenden sich die Mitspieler von mir ab, verfolgen mit ihrem Blick die Bahn des Balles, welcher den Scheitelpunkt der Parabel überschritten hat und sich nun auf dem Weg nach unten befindet.

WUMMMMM!

Im perfekten Senkrechtsturz stürzt der Ball durch das Netz ohne auch nur den Ring zu berühren.

Stille.

Ungläubig schaut mich alles an. DER dicke Junge soll DEN perfekten Wurf hingelegt haben? Unglaublich!!

Das Spiel geht weiter.
Wohl nur um mich vorzuführen bekomme ich bald darauf wieder den Ball ab.
Hand-Auge-Muskeln-Winkel – WUMM – und wieder rauscht die Pille durch den Korb.
Egal aus welchem Winkel, egal aus welcher Entfernung – ich treffe einfach!
Es ist kaum zu glauben, die anderen staunen Bauklötze und fühle mich wie erleuchtet:
Jaaaaa – DAS ist MEIN Spiel. Hier habe ich meine Bestimmung gefunden- meine Begabung

Mit einem 20:0 gewinnt meine Mannschaft.
Noch nie war ich selbst so stolz auf mich in meinem bis dahin kurzen Leben.

Leider war das seltsame Ereignis für Sportlehrer und Mitschüler so verstörend, das sie kurz darauf gemeinschaftlich jegliche Erinnerung an diesen Tag aus ihren Gedanken löschten und nie wieder eine Erinnerung an meine Leistung hatten.

So saß ich auch schon eine Woche später wie gewöhnlich wieder auf meiner Ersatzbank, wurde nicht ausgewählt und las wie immer mein Buch um wie gewohnt meine Vier oder Fünf zu kassieren. Basketball ist halt ein Mannschaftsport und ich bin eben der Aussenseiter.

Jeder Mensch bekommt in seinem Leben seine 5 Minuten Ruhm.
Schade das dies schon unbemerkt in so frühen Jahren geschah und heute verblasst selbst meine eigene Erinnerung daran.

Aber so gesehen kann ich mich trösten:
Ich brauche keine Hoffnung mehr zu hegen, daß jemals noch mein großer Augenblick kommt und kann mich statt dessen auf die Ersatz-Parkbank für Aussenseiter-Renter am äussersten Rande des Parks setzen und die verkrüppelten Tauben füttern, die sonst keiner bemerkt.

Ich bin zufrieden.

Revolution gegen die Blitzkassierer

Beim Shopblogger kam die Sprache drauf:
Discounter kassieren am schnellsten“, wobei der entsprechende Beitrag des Handelsblattes hier zu finden ist.

Nun, die Sache ist eigentlich ein zweischneidiges Schwert.

Früher (als alles noch besser war) gab es einen Einkaufswagen, jede Menge Waren mit einem Preisschild dran und eine Kassiererin, die jeden Artikel in die Hand nahm, den Preis ablas und diesen sorgfältig in die Kasse summierte.
So verging eine gemütliche Zeit, die man nutzen konnte, alle Waren des Wocheneinkaufes von einem 3 Meter langen Warenlaufband zur späteren Tütenverräumung wieder in seinen Einkaufswagen zu legen.

Die Schlangen an den Kassenwaren waren lang, die Wartezeiten ebenfalls und daher mutierte die gemeine Kasse im Laufe der Jahre zur reinen Wareneinlesemaschine mit Lichtgeschwindigkeit (trotzdem sind die Schlangen immer noch lang und die Zeiten ebenso…).

Während früher (als alles noch gemütlicher war) der/die Kassierer(in) erst aufwendig geschult werden musste, das Blindeintippen üben und die Benutzung des Stornoschlüssels noch eine Todsünde war, kann man heute buchstäblich jeden Deppen innerhalb von 1 Stunde Kassenfit machen und den Rest lernt man eben “by doing”.

Längst hat der Strichcode den relevanten Teil des Warenpreises abgelöst und Preisetiketten sind nur noch höchst selten zu finden, da man so sehr schnell auf aktuelle “In-Peking-ist-ein-Reissack-umgefallen-und-desshalb-steigen-jetzt-die-Preise” Weltmarktänderungen reagieren kann. Sozusagen auf Knopfdruck.
“Verbraucherfreundlich” nennt man es daher, wenn erst die Preise stillschweigend um 50% angehoben werden können um sie dann nächste Woche höchstwerbewirksam auf Hochglanzpapier jubelnd wieder um 25% (ausser auf Tiernahrung) zu senken.

Aber worauf ich hinauswollte ist die Tatsache, das heute nur noch die Schnelligkeit des Strichcode-über-den-Laser ziehen für die Kassiervorgang maßgeblich ist.  Kasierer bekommen eine Zeitvorgabe:  Scannen, Kassieren und Kunde Wegschubsen innerhalb von maximal 55 Sekunden. Wer das nicht schafft ist ein Loser. “Time is Money” sagen sich die Marketingfuzzis, die selbst nie an einer Kasse gesessen haben, und rechnen 10 Cent Gewinn pro Stunde auf Jahre und Dekaden hoch.

Die Hand-Augen Koordination ist das wichtigest Merkmal eines heutigen Kassierers.
Schneller als man hinsehen, geschweige denn zugreifen kann, huschen die Einkäufe über den Scanner und sammeln sich hinter der Kasse im Warenauffang.

Wenn man – wie ich – seine Einkäufe mit vorbereitender Sorfalt so auf dem Laufband platziert, das zuerst die sschweren und großen, eckigen Teile, darüber dann die kleinen, leichten und zerbrechlichen Sachen – in dieser Reihenfolge -wieder in den Einkaufswagen zurückgelegt werden können, wird sich nach spätestens 15 Sekunden damit abfinden müssen, das zwischen Theorie und Praxis ganze Galaxien befinden in deren Mittelpunkt sich die Kassiererin und am anderen Ende alles andere zum großen Urknall wild durcheinandergewürfelt wiederfindet, ohne das man groß Zeit hatte, auch nur 3 Sachen in die Hand zu nehmen.

Immer wieder fühle ich mich an Rudi Carell´s “Am laufenden Band” erinnert, wo alles vorbeihuscht und man sich fragt:
“War das jetzt noch von mir oder schon vom nächsten Kunde??”

Es gibt auch ganz unverschämte Märkte -  ich nenne sie mal der Einfachheit halber “Addi” – in denen der Kunde zum handlungsbefreiten Zuschauer degradiert wird, nachdem er seine Waren auf dem ewigen Band der Verdammnis platziert hat und hilflos zusehen muss, wie merkbefreite Kassierer-Amazonen alle Waren nach dem Einscannen selbst in den Einkaufswagen werfen, unabhänngig von Größe, Form und Konsistenz, so daß die 10kg Packung Waschmittel auch mal gerne auf den Eiern wiederfindet, unter denen sich die fragile Packung Speisequark befindet.
Ein Turmbau zu Babel, dessen Ende nur in einen tränenreichen Katrastrophe enden kann.  Drehen Sie sich bloß nicht um!

Und während man in den anderen Märkten mit einer Hand seinen EC-Code eingibt, mit der anderen Hand und unter Zuhilfenahme eines Fußes wie Clown Pipo den Einkaufswagen einräumt (hauptsache drin, den Schaden werden wir dann später begutachten) reift in einem der perfide Plan:

Ich werde mich nicht mehr dem Diktat der Geschwindigkeit unterordnen.
Es ist Zeit für die Revolution!

Letzte Woche fing ich damit an:

Wie immer fliegen Wurst, Margarine, Dosen, Obst, Erdnüsse und alles anderen Dinge des wöchentlichen Bedarf in Warp-9 Geschwindigkeit über die Kommandobrücke des Kassiererraumschiffs und sammeln sich wie immer bunt durcheinandersortiert am anderen Ende. Nach ca. 16 Sekunden Einlesezeit für einen randvollen Wareneinkaufskorb kommt die noch freundliche Stimme der Kassiererin “Das macht dann 54 Euro und 32 Cent

Und anstatt mich auf die Nummer mit dem jonglierenden Staatszirkusclown einzulassen räume ich meinen Einkaufswagen so ein, wie ich ihn einzuräumen plane: Langsam. Sorgfältig.
Erst die großen, schweren und eckigen Sachen  möglichst formschlüssig in der unteren Ebene verteilt. Nur ein gutes Fundament hält das Haus auf ewig.  Darauf dann nach Größe, Form und Gewicht verteilt alles Weitere.
Natürlich braucht so ein Waren-Tetris seine Zeit und während ich räume und formschlüssig sortiere wird die Schlange länger und die Kassiererin nervöser.

“Ich müsste jetzt kassieren” meint die junge Frau etwas unsicher. Fast tut sie mir ein bisschen leid. Aber die Revolution muss nun mal Opfer tragen. So will es die Geschichte.

Ich setzte meinen dämlichsten Gesichtsausdruck auf, lasse den linken Mundwinkel etwas tiefer hänge und zucke ein wenig mit der rechten Augenbraue, wie ich es in den Tagen zuvor vor dem Spiegel geübt habe. Der Blick eines buckligen Glöckners von Notre Dame mit Mordlust in den Tiefen seiner verwaschenen Augen.
“Mooomeeeend….” murmel ich im geistig unterbemittelten Tonfall und juble innerlich, als ich den verschreckten Blick der Kassiererin erhasche, die diesen daraufhin sofort senkt.

Nach gut 2 Minuten ist meine Warenverräumung beendet und ob der ungezählten virtuellen Messserstiche in meinen Rücken durch die anwesende Kundenschlange beschließe ich direkt alles auf eine Karte zu setzen.
Nämlich auf die EC Karte.

“Hups…” entfleucht es mir, als die Zahlung nach ungewöhnlich langer Verzögerungszeit verweigert wird – weil nämlich der PIN-Code falsch war. “Tztzz….” meine ich zur Kassiererin “Da habe ich wohl was verwechselt” als sie die Karte nochmals durch das Lesegerät zieht und nicht weis, ob sie mich nun öffentlich mit dem Besen durch die Tür treiben oder lieber selbst schreiend nach draussen laufen würde.

Ach was würde ich dafür geben, die Gedanken der umliegenden Menschen lesen zu können. Unzählige Krimis könnten hier geschrieben werden und alle würden warscheinlich von dem Mord an mir handeln.

Aber das ist mir egal. Ich hab mich dem System wiedersetzt und es angehalten. Nur ein zufriedener Kunde ist ein guter Kunde und ich weigere mich ein Stück Vieh zu sein, das man durch die Abkassierungszone treibt.

Und nächste Woche werde ich als der Einkaufsterminator nur mit Kleingeld unter einem Euro auftauchen!
I´ll be back – Viva la Revolution!

Liebe Mitmenschen.
Seid bitte nicht böse, wenn es an der Kasse mal etwas länger dauert.
Seid demütig und denkt an euch selbst, wenn ihr mal älter werdet und keinen Bock mehr auf fremdbestimmtes umherhetzten mehr habt.  Niemand kann euch vorschreiben wie schnell IHR an der Kasse zu sein habt und verweigert euch unfreundlichem Personal, welches euch antreiben will.
Noch hat der Kunde das Geld und so sollte auch weiterhin er der König im Laden bleiben.

Wie wäre es mal mit “Extra langsamen” Kassen – für die, die gerne gemütlich einkaufen möchten und nicht nur “Superdurperhyperschnellfürwenigwaresprintkassierzonen”?

(Nur um Missverständnisse auszutreiben: Ich war selbst mal Verkäufer und Kassenwart in verschiedenen Einzelhandelssparten, ich weis also was Sache ist udn wie es gehen kann)

Der Moment

Ich gehe durch den Park.

Unter den neuen Blättern des Frühlings stehe ich in Licht und Schatten gehüllt zwischen den alten Bäumen.
Kaum gesprossen – schon verwelkt, so überlebt der Stamm unzählige Generationen seiner Blätterkinder während für ihn die Zeit keine Bedeutung zu haben scheint.
Amseln rupfen im frisch umgegrabenen Beet Würmer aus der Erde, fliegen ins hohe Nest selbiger Bäume um ihre Jungen zu füttern.

Auf der Lichtung.

Sonne wärmt meinen Körper.
Ich bleibe stehen und das Licht durchdringt meine geschlossenen Augenlieder.
Ich genieße den Augenblick, rieche den Duft der nahe Azalee und speichere diesen Moment in meinem Kopf.

Jeder Moment ist kurzlebig
Aber die Gedanken können immer wieder ein ganzes Leben lang an ihm verweilen.

natur-3