Angeregt via xtown & via spreeblick will ich hier einen zum Besten halten, kann mich aber nicht so recht entscheiden, welche Hölle die schlimmere war.
Aber da die Nr.2 auf meiner Liste – nämlich meine Zivildienststelle – ja so gesehen kein Job war erzähle ich ich nun von meinem Favoriten:
Das war um 1987 – ich hatte gerade auf der Volkshochschule meinen Schulabschluss nachgeholt, saß ich da nun und musste irgendwas machen um meine Brötchen zu verdienen bevor mich der Staat einzog.
In der Zeitung las ich dann die Stellenangebote eines Personaldienstleisters aka “Zeitarbeit” für billige Hilfskräfte und machte prompt einen Vorstellungstermin aus.
Am folgenden Tag war ich also in dem Laden, sprach mit dem Personalmenschen und der erzählte mir was von “Industriereinigung”.
Keine Ahnung was das war aber ich bekundete intetresse und wurde daraufhin mit einem akzeptablen Sklavengehalt auf Stundenbasis fest angestellt mit Krankenversicherung und pipapo – so gesehen also nix Unseriöses.
Als nächstes bekam ich neue Sicherheitsschuhe und ein paar Blaumänner.
Da weder ich noch einige meiner Mitarbeiter einen Führerschein noch ein Auto hatten, wurde ein Abholungsort vereinbart, von dem aus wir um 1/2 5 zur Arbeit gekarrt wurden.
Der Arbeitsbeginn war nämlich 1/2 6 Uhr morgends und der Einsatzort die Shell-Raffinerie in Köln Godorf, wo wir für die nächsten Wochen einem Subunternehmer der Industriereinigung “vermietet” wurden.
Schon am Arbeitsplatz wurde das 2-Klassensystem sehr deutlich: Die Angestellten hatten geheizte Baucontainer mit eigenen Spinden, Sanitär- und Waschgelegenheiten. Wir “Lohnarbeiter” dagegen einen ausrangierten, undichten Bauwagen ohne Heizung, ohne Spinde und mit Platz für gerade mal 5 Personen obwohl wir zu Zehnt waren.
Den Bauwagen brauchten wir eh nur zum Unziehen und Pause konnte man auch in den speziell überall auf dem Gelände verteilten Raucherzelten (Sicherheitsmaßnahme) machen.
Zur Info: in der Raffinerie in Köln Godorf wurde zu der Zeit gerade die gesamte Anlage generealüberholt, was eine Menge Dreck machte und zudem mussten die in den Jahen entstandenen Ablagerungen im Inneren der Anlagenteile ebenfalls beseitigt werden.
Der erste Morgen war schon extrem imposant, wenn man als kleines Männlein inmitten der riesigen, Neonbeleuchteten Anlagen steht und so langsam die Sonne aufgeht.
Der Vorarbeiter kam zu uns, drückte jedem einen Besen, Schaufel und Schubkare in die Hand und wies uns jeweils eine Halle zu, die es zu säubern galt. In “meiner Halle” flogen überall Isoliermaterial und Aluminiumfetzen herum. Auf , unter und über Maschinen, hinter Rohren und Verkleidungen und ales war mit einem rußig-schmierig-öligen Belag behaftet. Bäh ..
Am Nachmittags hieß es dann “Kessel putzen”. Irgendwelche riesigen Anlagenteile inmitten weit verzweigter Rohrsysteme durch die normalerweise hochgiftige Sachen laufen, von denen uns niemand was erzählen wollte.
Natürlich war alles stillgelegt aber in diesen “Kesseln” hate ich jede Menge Zeug abgesetzt, welches nicht sehr gut aussah. Der Eingang zu diesen Dingern war ein kleines rundes Revisionsloch mit Deckel davor, dann ging es gut 1,5m runter, wo man sich dann inmitten einer Kugel befand. Davon gab es gut 20 Stück, die ich im Laufe der nächsten Tage sauerbmachen sollte. Das Problem war, daß es darin extrem duster war, in der Mitte sich ein ungesichertes Loch befand, in dem es weiter nach unten ging und man nach den ersten Versuchen, die Beläge von den Wänden zu schrubben kaum noch Luft bekam, da sich davon eh schon sehr wenig darin befand.
Nach gut einer Stunde hatte man so eine Kugel geputzt und dan musste man versuchen mit viel Anlauf wieder nach oben durch die Revisionsöffnung zu kommen.
Ich weis nicht, ob und wie viele Hilfsarbeiter in diesen Rohrsystemen verblieben sind – denn es sah niemals jemand nach, ob dort gfls. einer umgekippt oder in einem der Löcher verschwunden wäre.
Der schlimmste Einsatz klang erst einfach: “Hier- nimm Kaltreiniger, Bürsten und Schlauch, da hinten am Anton links weiter am Rand ist ein kleines Pumpenhäuschen. Saubermachen!”
Dort angekommen traf mich der Schlag: In der Pumpstation halt wohl irgendein Ventil versagt und hunderte Liter Öl über die gesamte Innenanlage verteilt. Dazu kam, daß es durch die laufenden Motoren drinnen unglaublich warm und durch die Öldämpfe extrem stickig war.
Ohne Maske, ohne Handschuhe und nur mit den erwähnten Gerätschaften versuchte ich dann das Ding sauberzumachen. Nach einer halben Stunde petrochemischer Atemluft mir so was von schlecht, daß ich draussen erstmal mein Früßstück von mir geben musste. Einer der überall rumlaufenden Shelleigenen Überwachungsfuzzis raunzte mich darauf an, daß ich gefälligst weitermachen soll weil die Maschine am Nachmittag weiterlaufen soll.
Arg angeätzt sagte ich ihm, daß er mir ja helfen könne, wonach er böse grinsend erwiederte, daß er ja nicht Lebensmüde sei …
Auch das mit Hammer und Meissel ausgeführte Auskratzen von Reaktorwänden (wie immer ohne jeglichen Schutz) war nicht gerade ein Wohltat und Abends hatte ich immer das Gefühl als ob ich bis unter die Hirnrinde völlig unter Drogen stünde. Das was ich da stündlich ausroztzte hatte durchaus Potential zur Selbstentzündung oder als Massenvernichtungswaffe.
Solche Arbeiten gab es viele, die ausschließlich von Leiharbeitern getätigt wurden. Aus heutiger Sicht der reine Wahnsinn. Es gab nicht mal simple Atemschutzmasken und ich möchte nicht wissen, was alles an Gift in diesen Staub- und Dreckwolken war, die wir ungeschützt einatmen mussten.
Nach einem Monat hatte ich aber den Dreh raus, wie man sich das Leben vereinfachen konnte.
Man musste halt nur aufpassen, daß man nicht von Vorarbeitern oder Shell-Fuzzis ggesehen wurde, wenn man faulenzte.
Auch wurden einem nur Arbeiten übertragen wenn man auch gesehen wurde. Zum Glück waren die Vorarbeiter recht planlos und man musste dem einen nur erzählen, das man von dem anderen einen Auftrag hätte. Das System war recht simpel zu durchschauen und somit leicht auszunutzen.
So habe ich bald entdeckt, daß man nur einen der sehr hohen Türme raufsteigen musste, von wo man eine extrem tolle Ausssicht hatte, sich aber weder Vorarbeiter noch Shell-Fuzzis rumtrieben.
Das ging zwar nicht immer aber ich hatte den einen oder anderen Vormittag, an dem ich mich ausschließlich gut versteckt auf einem der Türme einem guten Buch hingab und verbotenerweise ausserhalb der Schutzzelte rauchte…
Ich hab das dann 3 Monate gemacht, bis ich zu einem anderen Auftraggeber “versetzt” wurde.
Allerdings hatte ich aufgrund der Umstände noch lange lange Zeit echte Atemprobleme und Schwindelanfälle.
Dazu genuscheltes