Bei meinem neuen Auftraggeber komme ich immer wieder mit gar seltenen Geräten in Berührung.
Die englische Firma Orange hatte Anfang der 70er Jahre u.a. ein modulares 15-Kanal Mischpult herausgebracht, welches technisch zwar Top war aber leider nicht so häufig verkauft wurde.
Dementsprechend selten und kultig ist das Teil und wird heute zu absoluten Höchstpreisen gehandelt – wenn überhaupt noch mal eines davon auf den Markt kommt…

Die Fa. Orange Amps entstand Ende der 60er mit Röhren-Gitarrenverstärkern einfachster Bauart, die “hauptsache Laut” waren ![]()
Die Qualität und der Sound waren aber extrem gut, die Schaltungen wurden verfeinert und die Firma erreichte auch ausserhalb Englands einen sehr guten Ruf.
Der Name “Orange” rührt vom Orangefarbenen Vinylbezug her, der das Erkennungszeigen der geräte wurde und von der Farbe der Zeit her einfach “hip” war. Zudem hatte man anfangs aufgrund von Materialmangel einfach nichts anders zur Hand und so entwickelte sich die Not zum Kult.
Auf Orange Amps und Türmen spielten Anfang bis Mitte der 70er Bands wie AC/DC, Black Sabbath, Pink Floyd, ZZ-Top und viele andere, bis Marschall and andere Hersteller ihr Equipment wesentlich preiswerter anbieten konnten, der Siegeszug der wesentlich leistungsstärkeren und wartungsärmeren Transistor-Amps der Röhrenfraktion Boden abrang und kleine Firmen wie Orange diesem Druck nicht standhalten konnten.
In den 80er Jahren, als dann auch noch die große Synthie-Welle aufkam, war Orange quasi Pleite. Die Produktion stand still und man hörte lange nichts mehr von ihr -
bis Mitte der 90er Jahre Röhrenverstärker wieder im Kommen waren und gerade Orange-Amps wieder kultig wurde und manche Schätzchen wieder ihren Weg aus dem Keller fanden. Seitdem geht es wieder steil aufwärts mit Orange . Satte Sammlerpreise für alte Teile und Neuproduktionen auf 1:1 Basis der alten Amps – so kann Orange auch heute noch den unveränderten Sound der guten alten Zeit (TM) zum Besten geben!
Aber zurück zum Mixer.
Natürlich hat mein Auftraggeber so ein Teil bei sich rumstehen
Bis auf 3 Kanäle technisch in Ordnung aber äusserlich ziemlich abgewetzt möchte der deutsche Ableger der wieder erwachten Firma Orange den Mixer gerne leihweise zu einer Musikmesse Anfang nächsten Jahres präsentieren. Dafür muss das Gehäuse neu bezogen werden, was Orange in England übernehmen wird.
Mein Part dabei bezieht sich auf die Demontage/Montage und technische Überholung der Komponenten.
Zum Glück ist das Teil absolut vorbildlich und Modular aufgebaut, wie man auf den nachfolgenden Bildern sehen kann. Das einzige wirkliche Problem ist, einen Ersatz für die Schieberegler zu finden, die das “krumme” Maß von 113mm Bohrlochbefestigung und 85mm Stellweg haben. Die Originale stammen von Preh und sind nicht mehr beschaffbar. Auch heute Modelle haben entweder nur 100 oder 60mm Stellweg.
Warscheinlich bleibt mir nichts anders übrig als alle Regler auszubauen, in Ultraschall vorsichtig zu reinigen und dann mit Ballistol zu schützen.
Weiteres berichte ich dann später…..
Aussteuerungsanzeigen
Der Mixer ist ausgeweidet
Anzeigen und Aussteuerungselektronik
15 Kanäle auf dem Boden
Der Grundblock mit Netzteil und Hallfedersystem
Beyerdynamics Eingangsübertrager vom Feinsten – für jeden Eingang!
Bemerkenswert: Im Original handbeschriftete Rückseite
Dazu genuscheltes